Webels Woche - Rück- und Ausblicke des Vorsitzenden

10.08.2018

in diesen Tagen wird sehr intensiv über einen Vorschlag diskutiert, den die Generalsekretärin der CDU Deutschlands

als ein Ergebnis ihrer Zuhör-Tour an der Parteibasis gemacht hat. Annegret Kramp-Karrenbauer hat ein Anliegen formuliert, das vielen Mitgliedern unserer Partei wichtig ist und offenbar auch eine große Mehrheit der Bevölkerung überzeugt: eine allgemeine Dienstpflicht für junge Menschen, für Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Selbstverständlich stehen wir erst am Anfang eines längeren Diskussionsprozesses. Viele Details sind noch zu klären. Die allgemeine Dienstpflicht wird nicht morgen oder übermorgen umgesetzt werden. Aber ich hoffe, dass sich diese Idee im neuen Grundsatzprogramm unserer Partei wiederfindet und später dann auch mit breiten Mehrheiten umgesetzt werden kann. Denn eine Dienstpflicht steht für zentrale Werte und Grundanliegen unserer Partei: für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Solidarität mit unseren Nächsten und für Verantwortung für das Gemeinwesen, in dem wir leben. Es ist deshalb aufschlussreich und wenig überraschend, dass diese Anregung auch viel Ablehnung erfahren hat. Linke und liberale Politiker haben beispielsweise von „Freiheitsberaubung“ geredet.

Hier zeigen sich deutliche Unterschiede im Menschenbild und im Staatsverständnis: Für uns als CDU hat jeder Staatsbürger nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Und deshalb sollte man sich die notwendige Zeit nehmen, um die allgemeine Dienstpflicht so auszugestalten, dass individuelle Entfaltung und Dienst am Gemeinwesen kein Widerspruch sind. Gerade, weil es in unserer Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich ist, füreinander einzustehen, könnte eine Dienstpflicht jungen Menschen eine wichtige Orientierung geben und sie – stärker als bisher –Verantwortung für sich und andere übernehmen lassen. 


Wenn junge Menschen nach ihrer Schulausbildung Orientierung suchen, gehen sie heute oft ins Ausland. Das bringt sicherlich viel Lebenserfahrung und unvergessliche Eindrücke. Ich zweifele aber, dass junge Menschen als Erntehelfer in Australien oder als Au-Pair in London viel über Deutschland erfahren. Diese wichtigen Alltagserfahrungen könnte eine allgemeine Dienstpflicht ermöglichen, die Jugendliche in soziale Projekte, in Kindergärten, Krankenhäuser oder Pflegeheime, zur Feuerwehr, zum Deutschen Roten Kreuz, zum Technischen Hilfswerk und vielleicht auch zur Bundeswehr führt. Das bringt die Jugendlichen weiter und unterstützt die Arbeit dieser Institutionen, in denen helfende Hände oft dringend gesucht werden.

Wir alle wissen, dass viele gesellschaftliche Herausforderungen allein mit freiwilligem Engagement nicht mehr zu bewältigen sind, vor allem im sozialen Bereich. Deshalb wäre es richtig, jungen Menschen mit einer allgemeinen Dienstpflicht die Chance zu geben, sich stärker in unser Gemeinwesen einzubringen – und zwar vor Ort, in den Kommunen. Ich bin sicher, dass mit einem solchen Dienst für Deutschland neuer gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen würde. Das Dienstjahr wäre für die jungen Menschen keine verlorene Zeit, sondern Gelegenheit, um wertvolle Erfahrungen sammeln und Verantwortung übernehmen zu können. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum gelebten Patriotismus. Deshalb lohnt es sich, für dieses Anliegen einzutreten.

Herzliche Grüße

Ihr

Thomas Webel
Landesvorsitzender